der störenfried

nach langem zureden erklärte sich der verursacher dieser seite bereit, aus der anonymität herauszutreten und dem internet ein exklusiv-interview zu gewähren unter der bedingung, daß die hier zur sprache kommenden details nur einer äußerst begrenzten öffenlichkeit zu gesicht kommen dürfen.
das gespräch fand im privaten pc von herrn grössing in münchen-sendling statt.
ebenfalls anwesend war die sekretärin von herrn internet, frau tcp-ip, die auch protokoll führte.


herr grössing, seit wann fotografieren sie?

seit etwa dreißig jahren; zuerst hatte ich eine ziemlich schwere minolta-spiegelreflexkamera, dann eine etwas leichtere canon eos und seit neuestem eine mittelschwere canon powershot digitalkamera. bei den ersten beiden war immer das problem, dass man durch den sucher das bild immer nur mäusekinomäßig im blick hatte, außerdem konnte man das glasding vorne abschrauben was dazu führte, daß ich es mehrmals verlor und immer neue nachkaufen mußte, was sauber ins geld ging.
die neue kamera hat jetzt zwar einen extra sucher und das objektdings vorne ist glücklicherweise fest angeschraubt, aber trotzdem muß man das bild wieder in so einem elektronischen minisucher anschauen - kurz gesagt, materialmäßig war das ganze für mich bisher eher suboptimal, aber bilder macht man ja mit dem kopf und nicht mit der kamera, wie es so schön heißt.
auch vermisse ich die kleinen filmrollen, die man so schön aus den alten kameras mit der schere herauspulen konnte, wenn die mal hakten. jetzt gibts ja leider nur diese winzigen speicherkarten, die ich noch öfter verliere.

beeindruckend! aber was hat sie eigentlich bewogen, sich als hobbyfotograf zu betätigen ?

ich wohne ja, wie sie wissen, auf dem untersendlinger oberfeld mitten auf dem gelände der bauernschlacht von 1705, umgeben von vier mobilfunkantennen, drei kirchen, einem fitness-center für frauen und einem biomarkt und habe manchmal den eindruck, dass insbesondere die kirchen- / mobilfunkkombination bei mir zu einer ständigen inneren unruhe führt, die ich nur durch knipsen einigermassen in den griff bekomme. manchmal finde ich mich auf der strasse beim fotografieren wieder, ohne zu wissen, wie ich da hingekommen bin.

wow! fotografie als therapie sozusagen ! und was tun sie sonst so, wenn sie mal nicht fotografieren ?

da ich stolzer besitzer eines arbeitsplatzes bin, lasse ich mich natürlich dort auch manchmal blicken, und zwar arbeite ich in der dokumentationserstellungsabteilung der kundenbetreuung einer bibliotheksmanagementsystemsoftwareherstellungsfirma. nebenher unterrichte ich auch noch an einer münchner ostlandkreisvolkshochschule die heimatblattererstellung und diese übertextauszeichnungssprache; wenn sie verstehen, was ich meine.

ich glaube, insbesondere unsere deutschen internet-user haben jetzt doch verständnisprobleme; ich will mal versuchen, es etwas griffiger auszudrücken: sie wollen sicher sagen, dass sie staff-member im manual-department des customer-supports einer software-company für library management systems sind und außerdem als sideline job homepage design und html am adult education center im east munich county teachen?

so in etwa.

ihre homepage ist wirklich megaklasse! aber mal ganz im vertrauen: mussten sie beim layout unbedingt auf diese millionenfach verwendete, stocklangweilige navigation-links-anzeige-rechts-framestruktur zurückgreifen?
auch die qualität ihrer bilder lässt ja bei näherer betrachtung ziemlich zu wünschen übrig, gar nicht zu reden von den bemüht originellen bildunterschriften, so daß das ganze - ich sag jetzt mal - einen ans dilettantische grenzenden unprofessionellen eindruck hinterläßt oder - krass gesagt: müssen sie die welt wirklich mit so einer seite belästigen? macht das wirklich sinn?


ich sage immer: lieber gut abgekupfert als schlecht selbst gemacht! ausserdem sollen ja die bilder im vordergrund stehen und nicht dieser technische krimskrams.
und was die bildqualität angeht: gerade im gewollt-kontrollierten dilettantismus liegt doch die wahre professionalität! schauen sie sich doch mal diese beuysschen fettklopse oder die verwackelten schwarzweißbilder von man ray an! wenn das nicht unprofessionell ist! außerdem wollten meine volkshochschüler immer eine eigene seite von mir sehen, wenn ich mich in meinen kursen schon so aus dem fenster hänge; ich wurde also in gewissem sinne dazu gedrängt.

cool! eine wirklich extravagante kunst- und rechtsauffassung !
aber nun mal ganz konkret: was ist eigentlich der künstlerisch-ästhetische impetus ihres lichtbildnerischen oeuvres?


na ja, irgendwie ist bei den bildern der vordergrund der hintergrund oder so.

obersuper! aber wenn ich mal eine eigene interpretation wagen darf: wenn man die bilder vom rezeptionsästhetisch-strukturalistischen ansatz aus betrachtet kann man doch sagen, dass sie die zerrissenheit und potentielle kriminelle energie des heutigen globalisierten weltdorfbewohners zum ausdruck bringen sollen, die jedoch unter einer, scheinbar ins proletarisch spielenden mittelklassekultur verborgen ist, die sporadisch, dann jedoch mit viszeraler wucht eruptiv durchbrochen wird und so - durch die konterkarierende untertitelung - anstöße gibt zu neuen, in die zukunft weisenden denkmustern?

nicht wirklich.

OK, ich glaube, das wesentliche ist gesagt und wir sollten langsam zum ende kommen, daher nur noch zwei fragen, die sie bitte möglichst knapp beantworten sollten: was sind ihre zukunftspläne und wie können ihre besucher mit ihnen kontakt aufnehmen?

zur ersten frage: weiter fotos machen.
zur zweiten frage: wenn wider erwarten interesse an meiner person oder meinen fotos bestehen sollte, kann man mich unter meiner emailadresse erreichen; ich schaue da aber wegen dieser ganzen virengeschichten eigentlich eher selten rein.

herr grössing, haben sie für uns abschließend auch ein porträt, damit wir ihre äußerungen auch ihrem äußeren zuordnen können?

na gut, wenn sie es nicht veröffentlichen:

Friedrich Grössing (links)